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Financial Solutions
26 Feb 2018

Betrugsprävention und einen Schritt weiter

Wir alle sehen und kennen den Trend zu betrügerischen Aktivitäten im Online-Handel. Wobei – ein Trend ist es schon lange nicht mehr. Es ist ein Geschäft, ein verbotenes Geschäft von Organisationen, die in Struktur und Organisation einem gut geführten Unternehmen gleich kommen. Die Führungspersonen dort managen den digitalen Identitätsklau, die missbräuchliche Nutzung der persönlichen Daten bis hin zum Kauf und Weiterverkauf der Waren und natürlich ganz wichtig: die Einnahmen durch eben diesen Verkauf. Man will ja schließlich reich damit werden.

Dabei ist der digitale Weg heutzutage der beliebteste, um Betrugsdelikte und Straftaten auszuführen. Spätestens seit der Einführung des EMV-Chips auf Kredit- und Kontokarten ist das Fälschen zu kompliziert, wenn nicht fast unmöglich geworden. Also verlagert sich das Geschäft in die digitale Hemisphäre, in der persönliche Daten und Kennwörter teilweise ungeschützt herumschwirren, und es vor allem möglich ist, viele Waren mit relativ wenigen Daten zu bestellen.

Den Behörden fehlt es meiner Meinung nach vor allem an Personal und technischen Möglichkeiten, um Betrug im Online-Handel schnell und effizient zu bekämpfen. Des Weiteren werden Betreiber von Online-Shops nicht immer sofort auf missbräuchliche Account Nutzungen aufmerksam – ein Horror für die eigene Reputation.

Wird der Missbrauch von Daten bemerkt, erschweren häufig lange Behördengänge das Aufspüren der kriminellen Quellen, die nicht nur digital internationale Grenzen überschreiten, sondern mit den geklauten Waren auch getarnt durch Liefer- und Logistiktransporte reale Ländergrenzen überqueren.

Aber selbst wenn wir in Deutschland bleiben – wohin sich wenden, wer ist zuständig? Vielleicht der Sitz des Online-Händlers? Vielleicht aber auch der des betrogenen Kunden? Oder da, wo die Ware zunächst hingeliefert worden ist?

Dabei finde ich, dass es nicht nur unsere Aufgabe ist, Betrüger abzuwehren und ihnen die Teilnahme am Online-Handel mit geklauten Daten und falschen Adressen zu verweigern. Wir schicken die Betrüger zu Shops, die sich den Aufwand mit einer professionellen Betrugsabwehr nicht leisten können – denn die kostet nicht nur Geld für Dienstleister und mich als Endkunde, es ist auch entsprechendes Knowhow im Unternehmen aufzubauen.

Unsere Rolle sollte daher darüber hinausgehen. Die Gelegenheit ergab sich 2017 mit meiner Beteiligung bei der E-Commerce Working Group der EC3, Europols European Cybercrime Centre. Einmal im Jahr gehe ich 10 Tage lang mit Europol und anderen privaten Unternehmen bei der sogenannten „Retail Week of Action“ auf „Verbrecherjagd“  im E-Commerce.

An diesen geheimen 10 Tagen verkürzen wir das übliche Prozessvorgehen und melden verdächtige Aktivitäten direkt an die Behörden, die dafür spezielle Kommando-Posten einrichten. Online-Händler, Banken, Logistikunternehmen und Finanzdienstleister liefern einzelne Puzzleteile an Daten und Informationen, die zu einem aufschlussreichen Bild zusammen gefügt werden, um Betrug im Online-Handel aufzudecken und verantwortliche Kriminelle zu identifizieren. Direkte Maßnahmen und zahlreiche Verhaftungen sind Beweise für den Erfolg dieser Partnerschaft.

Dabei überschreite ich gemeinsamen mit polizeilichen Behörden und privaten Unternehmen die Grenze der reinen Betrugsprävention und Abwehr. Wir gehen einen Schritt weiter zur Verfolgung und Identifikation der Organisationen von der digitalen hin zur realen Welt. Immer mit dem Ziel, einem möglichst betrugsfreien und gerechtem Online-Handel näher zu kommen.

Ralf Hornberger

Key Account Manager | Arvato Financial Solutions

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