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Financial Solutions
29 Mai 2018

PayPal kauft iZettle – und Deutschland steckt weiter in der Payment-Steinzeit

Wie Mobile Payment und kontaktloses Bezahlen immer noch zu viel Aufregung verursachen

Wer bis jetzt noch nicht an die Zukunft von Mobile Payment und kontaktloses Bezahlen geglaubt hat, sollte spätestens seit vergangenem Donnerstag seine Meinung ändern. Denn erneut hat ein amerikanischer Finanzriese ein vielversprechendes europäisches Finanz-Startup aufgekauft – um sein Geschäft in Europa zu festigen.

Vergangenen Donnerstag erreichte auch mich die Nachricht, dass PayPal den Mobil-Bezahldienst iZettle für 2,2 Milliarden Dollar aufkauft – eine Nachricht, die mich ehrlich gesagt wenig überrascht hat. Denn bereits nach der Einführung des Ratenkaufs für Normalverbraucher, dem PayPal-Plus-Angebot für Geschäftskunden, mit dem Verbraucher unabhängig von einem PayPal-Konto mit Kreditkarte, Lastschrift oder Rechnung bezahlen können, hat sich PayPal in der Vergangenheit immer mehr zu einem Allround-Payment-Service-Provider entwickelt.

Nun geht der US-Konzern einen Schritt weiter und übernimmt mit der bisher teuersten Übernahme in der Geschäftshistorie ein Unternehmen, welches sich auf Lesegeräte für Smartphones und Tablets spezialisiert hat – wenn das mal kein Zeichen ist.

Ich setze mich täglich mit Bezahlmethoden und in diesem Zusammenhang auch mit den Präferenzen der Endkunden auseinander, deshalb sehe ich diesen Schritt als logischen Schachzug von PayPal, um sich auf dem europäischen Markt zu positionieren und diese Position zu festigen. Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die mobilen Kartenlesegeräte in vielen Ländern komplett durchgesetzt haben und das Handy quasi zu einer Ladenkasse wird.

Mit Blick auf die die skandinavischen Länder, in denen Mobile Payment und auch das kontaktlose Bezahlen bereits im Alltag angekommen ist, macht es also absolut Sinn, in den europäischen Markt zu investieren und innovative Bezahlmethoden zu pushen. Und dann führe ich mir den Alltag hier in Deutschland vor Augen – einem Land, das sich gefühlt immer noch in der Payment-Steinzeit befindet.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Aufsehen man an einer Supermarktkasse erreichen kann, wenn man nicht mit Bargeld oder EC-Karte zahlen möchte – zumindest an einer deutschen Kasse. Das liegt nicht etwa an dem Supermarkt, der die neu eingeführten und für Deutschland höchst innovativen Zahlmethoden eigentlich groß bewirbt, wenn man sie einmal eingeführt hat, sondern oft an den Mitarbeitern, die auf diesem Feld offenbar komplett im Dunkeln tappen.

Als ich zuletzt versucht habe, mit einem Bezahlschein meines Energieanbieters oder kurz danach mit einem NFC-Chip zu bezahlen, schaute mich sowohl die Kassiererin als auch alle weiteren Personen in der Schlange an, als hätte ich gerade zum ersten Mal in der Menschheit Feuer gemacht. Keine Frage, wir stecken hierzulande wirklich noch in der Payment-Steinzeit.

Das zeigte vor allem mein Versuch, meine Rechnung im Supermarkt mit einem Bezahlschein zu begleichen, den ich für meine Strom- und Gasrückzahlung erhalten hatte. Der Bezahlschein des Berliner Unternehmens ‚Barzahlen‘, mit dem auch wir von Arvato Financial Solutions kooperieren, wurde zunächst argwöhnisch betrachtet und mir dann einfach zurückgegeben, weil die Technik nicht mitspiele. Kurz davor, den Platz der Kassiererin einzunehmen, erklärte ich der Dame, wie sie diesen Bezahlschein zum Verrechnen mit meinem Einkauf nutzen könne, das es eine neue Bezahlmethode sei und ihr Arbeitgeber mit diesem Anbieter kooperiere. Einfach den Code einscannen, der Bezahlschein wird verrechnet – schon wären wir fertig.

Mit NFC-Chips habe ich bislang bessere Erfahrungen gemacht, als ich bei einer Tankstelle und dem einen oder anderen Fast-Food-Restaurant kontaktlos und vor allem ohne PIN bezahlt habe. An den Gesichtern meiner verdutzten Landsleute konnte ich aber erkennen, dass ich in dieser Rubrik weiterhin ein regelrechter Exot bin. Meine Kredit- und Kontokarten haben inzwischen die vier gebogenen Striche, die schnelles Bezahlen versprechen, auch immer mehr PIN-Pads sprechen Drahtlos. Die nervigen „Haben sie noch 3 Cent?“-Fragen sind damit endlich vorbei – ich liebe es einfach.

Die Verkäuferin in meiner Lieblingsbäckerei schaute mich zuletzt völlig verwirrt an, als ich ihr im letzten Moment ein „Stop!“ zurufen musste, bevor sie meine Karte in das Kartenlesegerät steckt. Ich wolle bitte Drahtlos bezahlen, dann müsse ich auch keine PIN eingeben, erklärte ich ihr. Erstaunte Gesichter hinter dem Tresen „Das geht?“. „Das geht.“ Nachdem ich ihr die Vorteile der NFC-Sticker aufgezeigt habe, laufen die Gespräche mittlerweile anders ab. Wenn ich meine Karte aus dem Geldbeutel ziehe, kommt schnell die Frage: „Schnell und kontaktlos wie beim letzten Mal?“ „Unbedingt!“, lautet meine Antwort.

Ich bin ja mal gespannt auf den Tag, an dem ich mit einem (deutschen) Bezahlring oder gar einem Implantat bezahlen kann – es wird mir eine Freude sein, in die Gesichter der Verkäufer und anderen Kunden zu blicken!

Und bis innovative Zahlmethoden im Alltag und auch bei meinen Landsleuten angekommen sind, werde ich sicher gerne noch mit dem einen oder anderen meine Begeisterung über kontaktlose Zahlungen teilen. Vielleicht dauert es nach dem Schritt von PayPay ja gar nicht mehr lange, bis mehr Händler auf den Zug aufspringen und die Kunden dafür begeistern – die meisten Statistiken und Befragungen versprechen ja Gutes.

 

 

Ralf Hornberger

Key Account Manager | Arvato Financial Solutions

 

 

 

 

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