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PSD2, Convenience und der Black Friday

Am 14. September ist Zahltag – oder auch das genaue Gegenteil

Wenn man sich dieser Tage bei den Payment-Anbietern und Online-Shops umschaut, ist die Aufregung groß. Auslöser ist die Payment Services Directive 2 der EU, die kurz einfach nur PSD2 genannt wird. Ab dem 14. September wird ein Großteil aller Online-Transaktionen die so genannte starke Kundenauthentifizierung (SCA) erfordern, zum Beispiel mittels 3-D Secure.

Bisher: Convenience für höheres Risiko

Fällt Ihnen etwas auf? Genau! Bisher ist 3D-Secure im Online-Shopping in etwa genau so selten wie ein freier Parkplatz beim Samstagsshopping in der Innenstadt – von anderen SCA-Verfahren ganz zu schweigen. Das hat auch einen recht offensichtlichen Grund: Denn genau wie ein fehlender Parkplatz stören bisherige Verfahren das Shopping Erlebnis durch fehlende Convenience. Und weil ein Online-Shopper den Shop wesentlich schneller verlässt als ein genervter Parker die Innenstadt, haben die meisten Online-Händler für gewöhnlich auf die Anwendung dieser Verfahren verzichtet. Das heißt, sie sind bewusst das Risiko eines Zahlungsausfalls eingegangen, um die Convenience hoch zu halten. Das wird ab September gegen die PSD2 verstoßen.

Ab September: Convenience wird leiden

Was heißt das also für den anderen großen Zahltag im eCommerce, den Black Friday am 29. November? Wir haben eine Meinung dazu: Selbst, wenn die technische Implementierung der starken Kundenauthentifizierung für alle Zahlverfahren bis September abgeschlossen ist, wird die Convenience erst einmal leiden – vielleicht einmal abgesehen von den Verfahren der UX-Könige aus dem Silicon Valley. Sei es, weil die Verfahren noch nicht zu 100% auf Convenience ausgelegt sind oder weil der durchschnittliche Kunde noch nie etwas von starker Kundenauthentifizierung gehört hat. Eine Lösung zur Sicherung der Convenience können hier Rechnungskauf und Lastschrift sein. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Verfahren, sind beide von der starken Kundenauthentifizierung ausgenommen. Bei der Lastschrift wurde dies erst kürzlich durch die Bafin bestätigt, nachdem die europäische Bankenaufsicht für einige Aufregung gesorgt hatte

Rechnung und Lastschrift erfordern Risikomanagement

Deshalb sollte in jedem Fall der eigene Payment-Mix erneut auf den Prüfstand gestellt werden. Hierzu gehört eine Bestandsaufnahme über die aktuell angebotenen Zahlarten und deren jeweilige Conversion, sowie deren Anteile am Gesamtumsatz. Wenn sich hierbei herausstellt, dass aktuell ein Großteil der Käufe über Zahlarten abgewickelt wird, welche von der PSD2 und der starken Kundenauthentifizierung betroffen sind, sollte über zusätzliche Alternativen wie eben Rechnungskauf und Lastschrift nachgedacht werden. Denn wenn diese Verfahren angeboten werden, das zeigen die Erfahrungen über unsere Kunden in DACH, pendeln sie sich bei einem Anteil von deutlich über 50% ein.

Natürlich sollte man nicht vergessen, sich gegen das erhöhte Zahlungsausfallrisiko des Rechnungskaufs abzusichern. Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über ein sinnvolles Risk- und Fraud-Management zu sprechen: Damit der Black Friday auch in diesem Jahr ein Zahltag bleibt!

Kommen Sie dazu gerne auf uns zu!

 

Johannes Antoni und Thomas Nöding (Co-Autor)

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