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04 Dez 2017

PSD2 könnte die Finanzwelt auf den Kopf stellen

Herausforderungen und Chancen durch die neue EU-Verordnung

Anbieter von Online-Plattformen und Marktplätzen sind ein wichtiger Treiber der digitalen Wirtschaft. Sie machen das Einkaufen und Bestellen im Internet einfacher, wecken damit aber auch das Interesse der Regulierungsbehörden. Ihr Auftrag, Verbraucher zu schützen und Geldwäsche zu verhindern, ruft regelmäßig die Ordnungshüter auf den Plan – und könnte die Finanzwelt mit der neuen PSD2 jetzt kräftig durcheinander wirbeln.

Ich erinnere mich noch gut, wie die deutsche E-Commerce-Branche im Jahr 2011 durch ein kontroverses Urteil erschüttert wurde. Der Anbieter lieferheld.de hatte damit geworben, dass Essen bestellt und sofort auch an lieferheld.de bezahlt werden kann. Den Kaufpreis – abzüglich einer Provision – leitete lieferheld.de an die Gastronomen weiter. Das Landgericht Köln entschied nach einer Klage eines Wettbewerbers, dass dieser Prozess auf Grundlage der für den europäischen Binnenmarkt geltenden Payment Services Directive (PSD) einen Zahlungsdienst in Form des Finanztransfergeschäfts darstellt – ein Urteil mit Folgen für eine ganze Branche. Seitdem galt: Wer gewerbsmäßig Zahlungsdienste anbietet, muss gemäß des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) eine Erlaubnis bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragen.

Den Anbietern von Online-Plattformen und Marktplätzen blieb nichts anderes übrig, als sich mit dem ZAG auseinander zu setzen, um Schwierigkeiten bei der Einführung von Zahlungsabwicklungen zu verhindern. Wir von Arvato Financial Solutions entschieden uns aufgrund dieser Entwicklung zur Beantragung einer ZAG-Lizenz, um neue Geschäftsmodelle in diesem Umfeld entwickeln zu können und Bestandsgeschäft gegen die wachsende Regulierung abzusichern. Nach einem umfangreichen Erlaubnisverfahren bei der BaFin erhielt die neugegründete Arvato Payment Solutions GmbH die Erlaubnis, um verschiedene Zahlungsdienste europaweit anbieten und abwickeln zu dürfen.

Knapp sieben Jahre nach dem lieferheld-Urteil steht dem Finanzsektor mit Umsetzung der PSD2 womöglich die nächste Revolution bevor. Mit der neuen Richtlinie will die EU den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr fördern, indem er sicherer, bequemer und billiger gemacht wird. Dafür bricht Brüssel das Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten auf.  Ab dem 13. Januar 2018 müssen Geldhäuser auch Drittanbietern, wie Fintechs, den Zugang zu diesen sensiblen Daten gewährleisten.

Wer als Privatkunde die Einwilligung zur Weitergabe seiner Daten gibt, kann sich demnächst über viele kostenlose Mehrwertdienste freuen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Baufinanzierung? Haben Sie schon über diese oder jene Versicherung nachgedacht? Brauchen Sie einen Kredit oder wollen Sie vielleicht in Wertpapiere investieren? Das sind mögliche Fragen, die früher die Banken, bald aber schon andere Anbieter stellen könnten und die Antwort aufgrund des Zugangs zu bisher verwehrten Informationen und Daten individuell auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt gleich mitliefern.

Meiner Meinung nach ergeben sich für innovative Finanzdienstleister daraus Chancen, ihre Produkte weiterzuentwickeln und Mehrwerte für den Kunden zu schaffen. Gleichzeitig sehen sie sich aber auch mit strengeren finanzaufsichtsrechtlichen Regularien konfrontiert, Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste sind einer Erlaubnis- bzw. Registrierungspflicht unterworfen. Es wird spannend sein, wie Zahlungsdienstleister diese Herausforderungen meistern und sie auch als Chance verstehen, neue Geschäftsmodelle zu erschließen.

Wir von Arvato Financial Solutions beschäftigen uns schon seit einigen Monaten mit möglichen Auswirkungen der PSD2 und setzen bereits die für bestehende Zahlungsinstitute geltenden Übergangsbestimmungen um. Egal ob im organisatorischen Aufbau, bei dem Risikomanagement, den Anforderungen an IT-Sicherheit oder beim ebenfalls novellierten Geldwäschegesetz – die Anforderungen der BaFin wurden sukzessive in unsere Strukturen und Arbeitsprozesse aufgenommen.

Die ZAG-Lizenz setzen wir auch für den Kauf auf Rechnung ein. Unsere Pay-after-Delivery-Lösung AfterPay bietet Online-Händlern verschiedene Leistungen, vom Risiko- und Debitorenmanagement bis hin zum  Factoring- und Inkasso-Geschäft. Natürlich haben wir auch hier Hand angelegt, um die gesetzlichen Anforderungen an Zahlungsdienste zu erfüllen.

Für uns ist es essentiell, zu verstehen, wie neue Regularien die Finanzbranche verändern – oder diese wie die PSD2 vielleicht sogar komplett auf den Kopf stellen.

Schauen Sie am Freitag wieder vorbei, um zu erfahren, wie radikal die PSD2 wirklich ist.

Marc_Pittig_Managing_Director_ArvatoMarc Pittig

– Managing Director –

Arvato Payment Solutions GmbH

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