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Raus aus dem gallischen Dorf – internationales Inkasso erfolgreich betreiben

Die charmanten Abenteuer von Asterix und Obelix erobern bereits seit rund 6 Jahrzehnten die Herzen von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Nationalitäten. Auch ich konnte mich immer dafür begeistern, wie die tapferen Gallier ihr Dorf gegen die römischen Eroberer verteidigen. Heute fasziniert mich aber noch mehr, dass die Hauptfiguren ihr Dorf regelmäßig verlassen, um Abenteuer in der ganzen Welt zu erleben. In der Hinsicht haben wir sozusagen einen gemeinsamen beruflichen Schwerpunkt: Die Unterschiede verschiedener Länder und ihrer Bewohner kennenlernen und erfolgreich damit umgehen!

Für das Wachstum und letztlich sogar das Überleben vieler Unternehmen ist es heute unerlässlich, Geschäftstätigkeiten auf internationale Märkte auszuweiten. Internationalisierung ist aber immer mit immensen Herausforderungen verbunden – auch im Forderungsmanagement. Immerhin führen Inkassodienstleister laut FENCA* pro Jahr zwischen 45 und 55 Milliarden Euro an Forderungen in die europäische Wirtschaft zurück. Damit Forderungsausfälle vielversprechende Business Cases nicht „auffressen“, müssen sich Unternehmen Gedanken über das Forderungsmanagement im internationalen Kontext machen.

„Die spinnen, die Römer“ ist keine Option

Inkasso ist in den meisten Ländern ein reguliertes Geschäft, das lokale Lizenzen und Registrierungen erfordern kann und daher aus dem Land heraus erfolgen sollte. Für die lokale Beitreibung spricht zudem das Thema Kommunikation. Viele landesspezifische Gegebenheiten, Verhaltensweisen und sprachliche Besonderheiten würde Obelix wohl mit „Die spinnen, die Römer“ kommentieren. Diese müssen bei der Kundenansprache aber unbedingt berücksichtigt werden. Nur so kann das Forderungsmanagement zum Erfolg führen – sowohl hinsichtlich der Rückführungsquoten als auch der Kundenbindung.

Bei entsprechend internationaler Aufstellung und guter Personaldecke und -qualifizierung kann das lokale Forderungsmanagement durch eigene Ressourcen erfolgen. Oft macht es aber Sinn, einen externen Partner einzubeziehen.

Partnerauswahl: Es braucht keinen Zaubertrank, sondern die richtigen Fragen

Ist die Entscheidung zu Gunsten des Outsourcings für das internationale Inkasso gefallen, gibt es einige grundsätzliche Fragen, die Unternehmen sich selbst bzw. potenziellen Partnern stellen sollten.

  1. Wie viel Partnersteuerung kann und will ich leisten?
    Diese Frage zielt darauf ab, ob ein Unternehmen für jedes Land einzeln einen oder mehrere Inkassopartner anbinden möchte. Die Alternative ist ein zentraler Partner, der die lokale Bearbeitung offener Forderungen in den relevanten Ländern sicherstellt. Hinsichtlich des Aufwands für die Auswahl, Kommunikation und Steuerung ist ein zentraler Partner immer vorteilhaft. Allerdings steigt damit auch die Abhängigkeit! Bei Differenzen ist ein Wechsel wesentlich herausfordernder als der Austausch eines einzelnen lokalen Partners.
  2. Ist mein potenzieller Inkassodienstleister seriös?
    In jeder Branche gibt es schwarze Schafe. Da Inkasso grundsätzlich ein sensibles Thema ist, leidet der Ruf der Inkassodienstleister besonders unter den Machenschaften einiger „Ausreißer“. Einen guten Anhaltspunkt bieten die lokalen Inkassoverbände wie z. B. BDIU (Deutschland), dib (Dänemark) und NVI (Niederlande), die die Seriosität ihrer Mitglieder sicherstellen.
  3. Wie sicher und einfach sind die Prozesse?
    Hier geht es in erster Linie um den sicheren Datenaustausch. Natürlich halten alle seriösen Anbieter die nationalen und europäischen Richtlinien und Gesetze zum Umgang mit Daten ein. Die Frage zielt also eher darauf ab, wie schnell und „elegant“ oder auch anwenderfreundlich der Datenaustausch realisiert werden kann. Viele Schnittstellen, langsame Transfers oder umständliche Uploads können zu erheblichen Aufwänden in der eigenen IT-Abteilung oder Buchhaltung führen. In diesem Fall werden weit mehr Ressourcen benötigt als ursprünglich geplant.
  4. Wie behalte ich den Überblick über offene Forderungen und Beitreibungserfolge?
    Outsourcing bedeutet natürlich auch, dass Unternehmen einen signifikanten Teil ihrer Geschäftsvorfälle aus der Hand geben. Immerhin werden im Schnitt ca. 20 % aller Forderungen nicht termingerecht bezahlt. Den Überblick über die Finanzlage bzw. Beitreibungserfolge behalten Unternehmen nur, wenn ein einheitliches und übersichtliches Reporting zur Verfügung gestellt werden kann. Bei einer Vielzahl von Partnern wird sich Einheitlichkeit allerdings nur mit sehr viel Abstimmung und Kooperationsbereitschaft seitens der Partner sicherstellen lassen.

Aus meiner Erfahrung schützt die intensive Beschäftigung mit den oben genannten Fragen vor (bösen) Überraschungen bei der Implementierung und langfristigen Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Partnern für das internationale Inkasso.

Der Würfel ist gefallen

Als Arvato Financial Solutions sind wir für unsere Kunden sozusagen den Schritt heraus aus dem gallischen Dorf gegangen. Mit eigenen Niederlassungen und sorgfältig ausgewählten Partnern sorgen wir für eine seriöse, kundenorientierte und natürlich gesetzeskonforme lokale Beitreibung. Und um die komplexen Prozesse und die Kommunikation zu vereinfachen, bieten wir mit CrossCollect einen einzigartigen Ansatz, der eine zentrale Koordination und eine schnelle und sichere Aussteuerung aller Akten durch eine innovative Plattform vereint. Ich würde das kommentieren mit „Alea iacta est“ oder übersetzt „Der Würfel ist gefallen“ – und zwar für ein erfolgreiches internationales Inkasso!

In den kommenden Wochen und Monaten werde ich Ihnen weitere Einblicke in die regions- und landesspezifischen Anforderungen im internationalen Inkasso geben. Sollten Sie aktuelle Fragen haben, nehmen Sie bitte direkt Kontakt zu uns auf.

*Federation of European National Collection Associations

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