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29 Jan 2018

Supermarkt ohne Kasse: Amazon zeigt, wohin die Reise geht

Händler sollten es Kunden einfach machen – und sie ganz nebenbei besser kennenlernen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin einer der vielen Menschen, die gerne einkaufen gehen. Für mich ist es ein kleines Ritual geworden, wenn ich samstags mit meinen Kindern in den Supermarkt fahre, um unsere Einkäufe für die kommende Woche zu besorgen. Während ich durch die Gänge schlendere, legen meine Kids mir die Schokolade in den Einkaufsladen, die ich später natürlich bezahle. Was unser Shopping-Erlebnis regelmäßig trübt, ist das nervige Ende, wenn wir eine gefühlte Ewigkeit in der Schlange zur Kasse anstehen – zu diesem Zeitpunkt wünsche ich mir oftmals, doch lieber zuhause geblieben zu sein.

Natürlich bin ich mit diesem Problem nicht alleine. Wir alle müssen im Supermarkt oder anderen Geschäften anstehen, um unsere Eier oder unser T-Shirt an der Kasse zu bezahlen – wahrscheinlich aber nicht mehr lange. Amazon hat das Problem erkannt und vergangene Woche in den USA seinen ersten Supermarkt ohne Kasse eröffnet. Einfach die Ware in den Korb legen, rausgehen, fertig ist der Einkauf.

Was simpel klingt, ist technisch natürlich ziemlich komplex. Die Besucher loggen sich am Eingang über die Amazon-Go-App mit einem QR-Code ein und werden dann auf Schritt und Tritt verfolgt. Hunderte Kameras, die in dem nur knapp 200 Quadratmeter großen Geschäft überall platziert sind, und Sensoren registrieren, welche Artikel die Käufer aus dem Regal nehmen und auch tatsächlich in den Einkaufswagen legen. Dabei muss die Ware nicht explizit in die Kamera gehalten werden, versichern die Verantwortlichen von Amazon, deren System ohne Gesichtserkennung auskommt. Die Besucher, die sich am Ausgang wieder ausloggen, werden lediglich als 3D-Objekte wahrgenommen. Viel Aufwand also für eine Customer Experience, die im ganzen stationären Handel ihresgleichen sucht.

Ich finde es faszinierend, wie weit unsere Technik mittlerweile ist. Dass die Eröffnung immer wieder verschoben wurde, weil es die eine oder andere Panne gab, offenbart zwar die Komplexität dahinter, trotzdem zeigt Amazon, wohin die Reise geht: Einerseits wird es dem Verbraucher beim Einkauf so einfach wie möglich gemacht, andererseits lernen die Händler ihre Kunden besser kennen und können so ihr Marketing zielgerichteter steuern.

Natürlich gibt es der Online-Riese nicht zu, aber auch darum wird es letztendlich gehen. Die Customer Journey, über die große Unternehmen wie Amazon online mittlerweile einen recht guten Überblick haben, soll mit Daten auf dem Offline-Geschäft angereichert werden. Der Kunde, der sich mit der App am Eingang registriert, wird sicherlich nicht nur die Rechnung an seine E-Mail-Adresse bekommen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt auch Angebote über Produkte, die ihn dank der Datenanalysen wirklich interessieren. Wenn das nicht mal eine zeitgemäße Omnichannel-Strategie ist.

Die stationären Läden für Amazon in Europa lassen übrigens nicht mehr lange auf sich warten. Paris und London sind schon im vergangenen Jahr im Gespräch gewesen, auch in Deutschland sollen schon bald die ersten Supermärkte entstehen. Vielleicht dauert es also gar nicht mehr so lange, bis ich meinen Einkaufswagen samstags direkt zum Auto steuern kann, bevor ich mir mit meinen Kindern an der Kasse die Beine in den Bauch stehe. Dass Amazon mir dadurch die passenden Produkte vorschlagen und mich gleich fragen kann, ob ich mal wieder Waschmittel brauche, finde ich sogar gut.

Ralf Hornberger

Key Account Manager | Arvato Financial Solutions

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