| | Forderungsmanagement

Treuhandinkasso als Unterstützung für Kreditgeber in Corona-Zeiten

Der Lockdown im Zuge der Corona-Krise hat die Wirtschaft in weiten Teilen der Welt zum Erliegen gebracht. Eine Folge: Viele Verbraucher können derzeit ihre laufenden Kredite nicht mehr tilgen. Dies bringt Banken nicht nur einen mehrmonatigen Ausfall der Raten- und Zinszahlungen mit sich, sondern auch einen hohen administrativen Aufwand. Wie Treuhandinkasso Abhilfe schafft, möchte ich in diesem Beitrag aufzeigen.

Der Bundestag hat im März im Eilverfahren eine Regelung für Dauerschuldverhältnisse und somit auch für Verbraucherdarlehensverträge getroffen. Diese gilt vorerst bis zum 30. Juni. Demnach müssen Banken ihre Ansprüche auf Zins- und Tilgungsleistungen von Darlehen, die vor dem 15. März aufgenommen worden sind, seit dem 1. April kostenfrei stunden. Voraussetzung ist, dass der Darlehensnehmer nachweislich aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist.

Aus Gesprächen mit Banken weiß ich, dass dies nicht nur einen mehrmonatigen Ausfall der Raten- und Zinszahlungen mit sich bringt, sondern auch ein hoher administrativer Aufwand damit einhergeht. Sie müssen nicht nur in diesen Wochen die Flut der Anträge auf Stundung bewältigen, sondern auch die IT-Prozesse der Kreditworkflows umstellen. Denn das Abrechnungssystem sieht in der Regel keine kostenfreien Stundungsmöglichkeiten vor. Um die aufsichtsrechtlichen Regulatoriken abbilden zu können, muss einiges geändert werden. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die betroffenen Kreditnehmer nach den drei Monaten in der Lage sein werden, die Ratenzahlung wiederaufzunehmen. Deshalb müssen zwingend verschiedene Folgeprozesse definiert werden. Die Bearbeitung dieser „Corona-Raten“ und Unterstützung unserer Kunden stellt aktuell ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit dar. So übernehmen wir beispielsweise die Mahntelefonie, holen relevante Unterlagen ein oder beraten Endkunden hinsichtlich der Rückzahlungsmodalitäten. Die richtige Kommunikationsstrategie und eine verbraucherfreundliche Ansprache helfen, wertvolle Kundenbeziehungen zu halten.

Treuhandinkasso prüfen

Ein anderer Punkt, den die Corona-Auswirkungen mit sich bringen, sind notleidende Kredite, für die die Banken keine Zinsen erhalten und die gegebenenfalls auch nicht mehr zurückgezahlt werden können. Seit 2019 gilt für Kreditinstitute ein NPL-Backstop: Die Bank muss sogenannte faule Kredite beziehungsweise notleidende Risikopositionen innerhalb bestimmter Fristen mit Eigenkapital abdecken. Da sich Kreditinstitute selbst refinanzieren müssen, drückt dies den Gewinn. Um hier schnell an Liquidität zu gelangen und Aufwände sowie Risiken zu minimieren, hat sich der Verkauf notleidender Kredite im Bankenumfeld bewährt. Allerdings ist derzeit noch ungewiss, wie groß die Auswirkungen von Covid-19 tatsächlich sein werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlust bei vielen betroffenen Bankkunden eine erhebliche Verschlechterung der Bonität mit sich bringen werden. Dies führt wohl zwangsläufig zu geringeren Kaufpreisen, da höhere Risikoabschläge für Portfolien und ein verkürzter Planungshorizont notwendig sind. Daher empfehle ich, diese Option eher langfristig im Auge zu behalten.

Was will ich Ihnen damit sagen? Auch wenn die EU gerade an einer „Bad Bank“-Lösung arbeitet, auf welche Banken ihre notleidenden Kredite abwälzen können: Bedenken Sie die Alternative des Treuhandinkassos mit anschließendem Forderungsverkauf. Bei dieser Variante werden die Kunden für einen gewissen Zeitraum im Treuhandinkasso unterstützt, um einen schnellen Mittelrückfluss zu generieren. Nach einer festgelegten Laufzeit wird die Situation neu bewertet und geprüft, ob ein Verkauf der übrig gebliebenen Forderungen sinnvoll ist.

Langfristig gesehen haben Banken meiner Erfahrung nach so höhere Rückflüsse als bei einem schnellen Forderungsverkauf. Sie entlasten zusätzlich ihre eigene Abwicklungsabteilung und bekommen über den vereinbarten Zeitraum alle realisierten Forderungen ausgezahlt. In den letzten Wochen habe ich öfter gehört, dass angesichts der niedrigen Zinsen und der aktuellen Situation die Erlöse aus Forderungsverkäufen nur schwer gewinnbringend reinvestiert werden können. Ich empfehle jedem Bankhaus, das bisher nur den Forderungsverkauf praktiziert, diese Alternative einfach mal mithilfe einer Rückflusssimulation zu prüfen.

Lassen Sie uns gerne gemeinsam sprechen. Ich freue mich über Ihre Nachricht.
Mehr zum Thema Finanzprozesse für Banken hier.