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X-Border Collection auf der gefährlichen Halbinsel

Wie viele Menschen denke ich bei dem Wort Skandinavien an Ruhe, Natur pur und entspannte Urlaube. Diese schönen Bilder werden bei mir, als Verantwortliche für das internationale Inkasso, aber schnell von Gedanken an die unterschiedlichen Regelungen und Gesetzen verdrängt, die es in den verschiedenen nordischen Ländern zu berücksichtigen gilt. Insofern erscheint mir die sprachwissenschaftliche Erklärung treffend, laut derer Skandinavien „gefährliche Halbinsel“ bedeutet.

In den „Nordics“, wie wir die Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden der Einfachheit halber gerne zusammenfassen, gibt es tatsächlich erhebliche Unterschiede. Das betrifft nicht nur die Mentalität, sondern auch die Sprache – man denke insbesondere an Finnisch bzw. Suomi, das eng mit dem Ungarischen verwandt ist. Aus Sicht des internationalen Inkassos sind es aber insbesondere die diversen Regelungen hinsichtlich der Gebühren, Fristen etc., die die Region „gefährlich“ machen. Das beginnt schon bei den lokalen Anforderungen an den Vorinkassoprozess, in dem bereits wichtige Schritte erfolgen und Daten erhoben werden müssen, die für das Inkasso entscheidend sind.

Mehr als landschaftliche Schönheit – ein attraktiver Wirtschaftsraum

Zunächst möchte ich unseren nordischen Nachbarn aber ein Kompliment aussprechen, denn alle vier Länder erscheinen regelmäßig in den Top 10-Listen, wenn es um die Reputation von Ländern geht (siehe Reputation Institute, Country RepTrack). In die Bewertung fließen sowohl die Attraktivität für Touristen als auch für Unternehmen und Investoren ein. Damit ist die Region nicht nur ein Hotspot für Urlauber, sondern definitiv auch interessant für wirtschaftliches Engagement. Das gilt sowohl für Unternehmen aus der Region, die in ihren jeweiligen Nachbarländern aktiv werden wollen, als auch für Unternehmen aus anderen Ländern.

Allen Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeiten im skandinavischen Raum ausdehnen möchten, kann ich aus eigener Erfahrung einen kurzen Merksatz mitgeben, der sicherlich nicht nur bezüglich des Inkassos zutrifft: So nah beieinander und doch so unterschiedlich!

Einblicke in den nordischen Dschungel

Das Wort Dschungel fällt mir natürlich nicht spontan ein, wenn ich an die herrlichen Naturräume in den nördlichen europäischen Staaten denke. Hinsichtlich der unterschiedlichen Gesetzgebung befindet man sich aber doch im sprichwörtlichen Paragraphendschungel, in den ich Ihnen einen kleinen Einblick geben möchte.

Aber die gute Nachricht vorweg – aus Sicht des Inkassos gibt es eine Gemeinsamkeit: In allen vier Ländern dürfen Inkassogebühren gegenüber dem Schuldner erhoben werden. Mit der Aussage zu den Inkassogebühren sind die Gemeinsamkeiten aber bereits fast erschöpft.

In Schweden sind Mahngebühren auf 60 SEK (rund 5,50 €) festgelegt. In Dänemark kann es für säumige Zahler erheblich teurer werden. Zwar ist auch hier die maximale Höhe der Mahngebühr gesetzlich festgeschrieben, aber sie liegt bei 100 DKK (rund 13,00 €) pro Mahnung und darf maximal drei Mal erhoben werden. In Norwegen spricht man von einer leichten und einer schweren Inkassogebühr. Konkret bedeutet das, dass im ersten Anschreiben eine Gebühr festgesetzt wird, die sich bei Nichtzahlung nach 28 Tagen automatisch verdoppelt. Die Höhe der bislang gesetzlich erlaubten Mahngebühr ist allerdings derzeit in der Diskussion und wird voraussichtlich deutlich reduziert. Auch das ist eine besondere Herausforderung des internationalen Inkassos: Gesetze, Verordnungen und Regelwerke sind niemals statisch und müssen für alle relevanten Länder stets im Auge behalten werden, um eine sowohl gesetzeskonforme als auch effiziente Beitreibung sicherzustellen.

Hinsichtlich der Beitreibbarkeit sind Schweden und Finnland sozusagen ideale Kandidaten für das Inkasso, denn hier hat jeder eine Sozialversicherungsnummer (SSN), die bei Bestellungen bzw. Kontoanlagen abgefragt werden kann. Somit sind säumige Zahler über die SSN einfach zu identifizieren. Das Äquivalent zur SSN ist in Dänemark die CPR-Nummer (Central Person Register), deren Nutzung im Rahmen der Rechnungsstellung und Beitreibung allerdings gesetzlich nicht ganz eindeutig geregelt ist. Auch für solche Grauzonen gilt es, intelligente Vorgehensweisen im internationalen Inkasso zu definieren und umzusetzen.

Die Liste der Abweichungen und Besonderheiten ließe sich unendlich fortsetzen, aber natürlich macht es keinen Sinn, hier auf alle Details einzugehen. Vielmehr möchte ich Unternehmen, die die Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeiten planen oder bereits gestartet haben, für die Komplexität des internationalen Inkassos sensibilisieren. Denn nur mit guter Vorabplanung lassen sich in jedem Land auch gute Ergebnisse im Forderungsmanagement erzielen.

Gefahr erkannt! Gefahr gebannt?

Die generelle Frage, vor der Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten in den nordischen Ländern stehen, ist also: Wie gehe ich mit dem Thema „Internationales Inkasso“ um? Daran schließen sich natürlich viele weitere Detailfragen an wie zum Beispiel:

  • Verfüge ich bereits über das nötige Know-how bzw. die Ressourcen?
  • Möchte ich selbst X-Border Collection aufbauen und durchführen?
  • Suche ich pro Land einen nationalen Inkassodienstleister?
  • Wie aufwändig sind die Suche und die laufende Dienstleistersteuerung?
  • Wie werden meine Akten schnell und sicher transportiert?
  • Wie behalte ich den Überblick über die wichtigsten Kennzahlen?
  • Kann auch der Verkauf von Forderungen eine (ergänzende) Maßnahme sein?

Über alle diese Fragen haben wir uns bei Arvato Financial Solutions bereits Gedanken gemacht. Mit CrossCollect haben wir eine umfassende Lösung für das internationale Inkasso entwickelt – und das natürlich nicht nur für Geschäftstätigkeiten auf der „gefährlichen Halbinsel“. Auch viele andere Länder können wir sofort oder bei Bedarf nach und nach an unsere Systeme anbinden und mit lokaler Expertise bearbeiten.

Haben Sie weitere Fragen oder möchten Sie die aktuellen Herausforderungen Ihres Unternehmens im nationalen oder internationalen Inkasso mit uns besprechen? Dann nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.

 

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